Fischer feiert die Melancholie als medizinisches Lebenselexier und
zauberte
eindrucksvolle Bühnenpräsenz ins Sapperltot. Eine stimmige Verbeugung vor
dem
Altmeister!
Kultur: Denis Fischer begeisterte mit Titeln von Leonard Cohen im
ausverkauften Theater Sapperlot / Alte Songs neu interpretiert
Inspiriert von Mamas Plattensammlung
Lorsch. Denis Fischer singt Leonard Cohen: Das ist anmaßend und roh,
frech und gewagt. Und ein längst überfälliges Vergnügen, das nun im
Theater Sapperlot für viele heiße Ohren gesorgt hat. Souverän, elegant
und cool hat der Sänger den Werken des kanadischen Singer-Songwriters
sehr persönlich und verblüffend stilsicher nicht unbedingt neues, aber
ein anderes Leben eingehaucht.
Großer Applaus für eine künstlerische Annäherung ohne ungelenke
Nachahmungen und selbst arrangierten Identitätsverlust. Das lange
Ringen um die Rechte an den Songs hat sich gelohnt. Und wer die
nachvollziehbare Befürchtung gehegt hatte, dass sich der junge Mann an
den deutschen Nachdichtungen des lyrisch ziemlich endgültigen Originals
verheben würde, der wurde in Lorsch eines Besseren belehrt.
Leichtfüßig, charmant und respektvoll vor Cohens Schöpferkraft
schlenderte Fischer zwei Stunden lang durch ein erfrischend holperloses
und hochklassiges Repertoire, in dem auch eigene Lieder vorhanden
waren.
Das Publikum im ausverkauften Sapperlot kam zum Teil von weit her, um
Fischers melancholischen und bisweilen theatralisch versüßten Auftritt
mitzuerleben. Mit gefühlvoller Intensität gelang es dem Entertainer,
die alten Songs in etwas Neues und Überzeugendes zu verwandeln. Mit
seiner fragilen und dennoch kraftvollen Stimme fand der in Berlin
lebende Künstler - Bruder von Chansonier Tim Fischer - problemlos in
den markanten Sound Cohens hinein.
Schon im Kindesalter wurde er von den Cohen-Platten seiner Mutter
inspiriert. Doch erst vor wenigen Jahren hat er damit begonnen, die
Songs über Liebe und Hass, Sehnsucht und Erfüllung ins Deutsche zu
übertragen. Cohens emotionale Wucht hat dabei nicht gelitten.
Nachzuhören bei dem glänzend interpretierten "Joan Of Arc", das erste
Stück, dass Fischer von Cohen gehört hatte.
Neben gelungenen deutschen Fassungen von Stücken wie "Chelsea Hotel"
und "Take This Waltz" glänzte Fischer in Lorsch auch mit englischen
Fassungen wie etwa bei "Come Back To Me". Bei "Dance Me To The End Of
Love" knarzen die Gitarrensaiten, während der Sänger im konsequent
polierten Dandy-Look die Lyrics gurrt und sich schnell sein Publikum
erobert.
Verbeugung vor dem Meister
Mit Carsten Sauer am pointierten Piano hat Fischer einen kongenialen
und virtuosen Partner, der den Stücken in jedem Takt gewachsen ist.
Immer wieder streift Denis Fischer die stimmlichen Besonderheiten
Cohens, jene sympathische Schwermütigkeit, die sich aus genussvoller
Melancholie und grimmigem Humor recht süffig zusammen setzt.
Hervorzuheben ist außerdem die Ruhe und Gelassenheit, mit der er seine
Versionen bis in feinste Verästelungen fein artikuliert zum Ausdruck
bringt.
Seine Stärke als Texter und Arrangeur stellte Fischer im zweiten Teil
unter Beweis, als er mit Titeln wie "Kastanienallee" überzeugte, die
den Sujets Cohens nicht gerade unähnlich sind. Den Klassiker
"Hallelujah" zelebriert er als gebrochene Hymne, das wunderbar
intonierte "I'm Your Man" inszeniert er als charmanten Flirt mit dem
Publikum.
Fischer feiert die Melancholie als medizinisches Lebenselixier und
zauberte eindrucksvolle Bühnenpräsenz ins Sapperlot. Sein feinherber
bis bittersüßer Auftritt hat rundum überzeugt. Eine stimmige Verbeugung
vor dem Altmeister. tr
Bergsträßer Anzeiger
09. November 2011