Theater Sapperlot

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Start Presse Denis Fischer im Sapperlot * 05.11.2011

Denis Fischer im Sapperlot * 05.11.2011


  Fischer feiert die Melancholie als medizinisches Lebenselexier und
 zauberte
 eindrucksvolle Bühnenpräsenz ins Sapperltot. Eine stimmige Verbeugung vor
 dem
 Altmeister!

 Kultur: Denis Fischer begeisterte mit Titeln von Leonard Cohen im
 ausverkauften Theater Sapperlot / Alte Songs neu interpretiert

 Inspiriert von Mamas Plattensammlung

 Lorsch. Denis Fischer singt Leonard Cohen: Das ist anmaßend und roh,
 frech und gewagt. Und ein längst überfälliges Vergnügen, das nun im
 Theater Sapperlot für viele heiße Ohren gesorgt hat. Souverän, elegant
 und cool hat der Sänger den Werken des kanadischen Singer-Songwriters
 sehr persönlich und verblüffend stilsicher nicht unbedingt neues, aber
 ein anderes Leben eingehaucht.

 Großer Applaus für eine künstlerische Annäherung ohne ungelenke
 Nachahmungen und selbst arrangierten Identitätsverlust. Das lange
 Ringen um die Rechte an den Songs hat sich gelohnt. Und wer die
 nachvollziehbare Befürchtung gehegt hatte, dass sich der junge Mann an
 den deutschen Nachdichtungen des lyrisch ziemlich endgültigen Originals
 verheben würde, der wurde in Lorsch eines Besseren belehrt.
 Leichtfüßig, charmant und respektvoll vor Cohens Schöpferkraft
 schlenderte Fischer zwei Stunden lang durch ein erfrischend holperloses
 und hochklassiges Repertoire, in dem auch eigene Lieder vorhanden
 waren.

 Das Publikum im ausverkauften Sapperlot kam zum Teil von weit her, um
 Fischers melancholischen und bisweilen theatralisch versüßten Auftritt
 mitzuerleben. Mit gefühlvoller Intensität gelang es dem Entertainer,
 die alten Songs in etwas Neues und Überzeugendes zu verwandeln. Mit
 seiner fragilen und dennoch kraftvollen Stimme fand der in Berlin
 lebende Künstler - Bruder von Chansonier Tim Fischer - problemlos in
 den markanten Sound Cohens hinein.

 Schon im Kindesalter wurde er von den Cohen-Platten seiner Mutter
 inspiriert. Doch erst vor wenigen Jahren hat er damit begonnen, die
 Songs über Liebe und Hass, Sehnsucht und Erfüllung ins Deutsche zu
 übertragen. Cohens emotionale Wucht hat dabei nicht gelitten.
 Nachzuhören bei dem glänzend interpretierten "Joan Of Arc", das erste
 Stück, dass Fischer von Cohen gehört hatte.

 Neben gelungenen deutschen Fassungen von Stücken wie "Chelsea Hotel"
 und "Take This Waltz" glänzte Fischer in Lorsch auch mit englischen
 Fassungen wie etwa bei "Come Back To Me". Bei "Dance Me To The End Of
 Love" knarzen die Gitarrensaiten, während der Sänger im konsequent
 polierten Dandy-Look die Lyrics gurrt und sich schnell sein Publikum
 erobert.

 Verbeugung vor dem Meister

 Mit Carsten Sauer am pointierten Piano hat Fischer einen kongenialen
 und virtuosen Partner, der den Stücken in jedem Takt gewachsen ist.
 Immer wieder streift Denis Fischer die stimmlichen Besonderheiten
 Cohens, jene sympathische Schwermütigkeit, die sich aus genussvoller
 Melancholie und grimmigem Humor recht süffig zusammen setzt.
 Hervorzuheben ist außerdem die Ruhe und Gelassenheit, mit der er seine
 Versionen bis in feinste Verästelungen fein artikuliert zum Ausdruck
 bringt.

 Seine Stärke als Texter und Arrangeur stellte Fischer im zweiten Teil
 unter Beweis, als er mit Titeln wie "Kastanienallee" überzeugte, die
 den Sujets Cohens nicht gerade unähnlich sind. Den Klassiker
 "Hallelujah" zelebriert er als gebrochene Hymne, das wunderbar
 intonierte "I'm Your Man" inszeniert er als charmanten Flirt mit dem
 Publikum.

 Fischer feiert die Melancholie als medizinisches Lebenselixier und
 zauberte eindrucksvolle Bühnenpräsenz ins Sapperlot. Sein feinherber
 bis bittersüßer Auftritt hat rundum überzeugt. Eine stimmige Verbeugung
 vor dem Altmeister. tr

 Bergsträßer Anzeiger
 09. November 2011
 
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