Theater Sapperlot

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Presse // Ärger ums Eigenheim und Erziehungsstress

Theater Sapperlot: Kabarettist David Leukert begeisterte sein Publikum in Lorsch vor ausverkauftem Haus
Alltagsprobleme unterhaltsam auf die Bühne gebracht

Lorsch. Diesen Mann muss man gesehen haben. Seine akribischen Beobachtungen des gesellschaftlichen Alltags unterstreicht er mit einer grandiosen Mimik und einer mitreisenden Gestik.

Jedes normale Verhalten eines Einzelnen wird durch seine Beschreibungen als etwas Besonderes entlarvt. Mit sehr niveauvollem Wortwitz und einer unterhaltsamen Theatralik gastierte der Kabarettist David Leukert im ausverkauften Theater Sapperlot. "Männer und Kinder zuerst" lautete der Titel seines Bühnenprogramms. In zwei sehr kurzweiligen Stunden bot Leukert einen bunten Querschnitt des einfachen und doch oft sehr anstrengenden Alltaglebens. Vom mühevoll erworbenen Eigenheim und damit einhergehenden Versammlungen über neumodische Bio-Sonderangebote bis hin zu äußerst folgenreichen Erziehungssünden wußte er zu berichten. Auch namhafte deutsche Traditionsunternehmen wurden nicht verschont. Als er kürzlich in der kubanischen Hauptstadt Havanna auf einen gelben, mit drei roten Buchstaben bedruckten deutschen Lieferwagen aufmerksam geworden sei, wäre ihm schlagartig der Grund für die heimischen Verzögerungen bei der Zustellung von Paketen klar geworden: "Ach da sind die." Überhaupt sei die Globalisierung ein großes Thema, mit dem nahezu alles zu entschuldigen sei - auch im Privaten. Seine Erzählungen führte er oftmals in unterschiedlichen Sprachfärbungen aus. Neben dem sächsischen, dem schwäbischen und dem schweizerischen Dialekt beherrscht der gebürtige Berliner auch den hessischen nahezu perfekt. Als Parodist brillierte Leukert ebenfalls. Seine Nachahmung eines weltbekannten deutschen Modeschöpfers war ebenso hinreissend wie authentisch. Überhaupt war seine große Erfahrung als Kabarettist deutlich zu spüren. Leukerts Auftritt war von einer großen Professionalität gekennzeichnet. Stets setzte er seine Pointen gezielt, mit dem richtigen Timing, ohne dabei die Geduld des Publikums zu strapazieren. Auch Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen ließ er in seine Ausführungen einfließen. Leukert hat mit vielen Stereotypen aufgeräumt: Sie stimmen ganz einfach, so der Kabarettist. Wenn ihm die Worte alleine nicht mehr deutlich genug zu sein schienen, griff er zwischendurch auch mal zu Mundharmonika und Gitarre. In seinem Lied "Atem" wurden ebenfalls allseits bekannte Alltagsvorkommnisse in wunderbar leichter Art beschrieben. Mit blitzwachen Augen gelang es Leukert auf sehr charmante Art, die kleineren und mittelgroßen Schwächen eines Jedermanns in seinem alltäglichen Umfeld darzustellen. Viele wurden angesprochen, aber keiner wurde beleidigt. Das ist die hohe Kunst des Kabaretts. Und deshalb nennt sich Leukert auch zu Recht Kabarettist und nicht Comedian. Besonders die weiblichen Gäste waren von der fundierten und teilweise berechtigten Kritik ihres Verhaltens in Alltagssituationen begeistert. Lautes Lachen in den höchsten Tönen schallte durch das alte Gemäuer.

Zuerst fürs Lehramt studiert
Nach dem Abitur studierte Leukert Pädagogik, Politologie und Germanistik auf Lehramt. Schnell wurde ihm bewusst, dass seine wahre Berufung eine andere ist. Er wechselte ins Kabarett. In Stuttgart hat er eine Schauspielschule besucht. In mehreren Fernsehsendungen hatte er bereits Gastauftritte, so bei Harald Schmidt und Stefan Raab. Und für ein Hochglanz-Männermagazin schreibt er regelmäßig Kolumnen. Das in Lorsch dargebotene Programm spielt Davis Leukert seit 2006.

das Bergsträßer Anzeiger 17. November 2009

 
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