Theater Sapperlot

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Start Presse Presse // Bitterböse Witze über Bischof und Papst - und ein Internat

Presse // Bitterböse Witze über Bischof und Papst - und ein Internat

Theater Sapperlot: Frankfurter Duo Camillo begeisterte mit frechem Kirchen-Kabarettprogramm

Lorsch. Nicht eben zimperlich springt das Duo Camillo mit seinem Publikum um - und nimmt auch sonst kein Blatt vor den Mund. Was dabei heraus kommt, wenn ein promovierter Physiker mit klassischer Klavierausbildung und ein evangelischer Rundfunkpfarrer mit Gesangsstudium gemeinsam über Gott, den Papst und die Welt an sich herziehen, konnten die Besucher im Theater Sapperlot hören und sehen. Der Titel ihres neuen Programms "Keine halbe Sachen" spricht für sich.
Lästern über Merkel
Bereits zum dritten Mal gastierten die despektierlichen Frankfurter Musikkabarettisten mit christlichem Background in Lorsch. Fabian Vogt, kreativer Teilzeitpfarrer beim Radio und freier Schriftsteller und sein Begleiter am Klavier, Martin Schultheiß, knackten so manches Tabu. Die beiden frechen Kirchen-Kabarettisten, die seit annährend zwanzig Jahren auf der Bühne stehen, verschonen auch die gefallenen Engel bundesdeutscher Politik nicht.
So bekommt "Schwesterwelle" sein Fett dafür weg, dass er die Gelbsucht nach Deutschland geholt hat - und "Bio-Waffe" Angela Merkel wird als "sprechender Sitzsack" verhöhnt. Auch die Landtagswahl in NRW, beziehungsweise mögliche Koalitionen, verlockt das Duo Camillo zu aberwitzigen, geschmacklosen Kommentaren. Die kompromisslosen Lästermäuler schrecken vor keinem Thema und keinem Fettnäpfchen zurück. Ihre Wortwahl ist deftig, ihre Vergleiche sind meistens noch deftiger und manches Mal bitterböse. Dass ihre Groupies allerdings ausschließlich Damen jenseits der sechzig sind, bleibt auch ihnen nicht verborgen. Trotzdem vermögen sie so etwas wie einen "sexuell willigen Unterton" bei ihren weiblichen Fans zu vernehmen.
Bischof Mixa und der Papst, katholische Kirche und Zölibat, Odenwaldschule und "Island-Asche" sind aktuelle Aufreger, mit denen Schultheiß und Vogt ihr gut zweistündiges Programm füttern. Klamauk und scharfzüngige Satire, sanfte Balladen und fetziger Rock, Frechheit und gute Laune wechseln sich ab - und schließlich bringt das Duo Camillo alles unter einen Hut.
Reggae zum Finale
Halbe Sachen sind eben nicht ihr Ding. Ab und an zupft der singende Pfarrer Vogt die Gitarre, während Martin Schultheiß durchgehend für das musikalische Stakkato am Klavier zuständig ist. Am Ende wartete auf die Zuschauer und die Künstler noch eine besondere Herausforderung: Die Totalimprovisation. Die Besucher im Sapperlot hatten es in der Hand, was beim Finale heraus kam, welche Tonart, welchen Stil und welche Themen der wirklich allerletzte Song im Programm hat. Die Lorscher entschieden sich für einen Reggae. Ganz sicher war es eine Premiere mit karibischem Touch und Textzeilen über die ICE-Trasse, das Weltkulturerbe, Ascheregen, Sex, Freibier und die Kunst des Schenkens.
gs – Bergsträßer Anzeiger 28. April 2010
 
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